Eine Grobspezifikation ist oft die Grundlage des Startschusses für ein Projekt. Eine endgültige Entscheidung über den Fortgang des Projekts fällt aber meist erst nach einer Feinspezifikation und einer Machbarkeitsstudie.
Die Feinspezifikation kann sehr detailliert sein und bereits die Benutzeroberfläche aus der Sicht des Anwenders entwerfen. Grafische Benutzerschnittstellen erfordern einen sorgfältigen Entwurf der Bildschirmobjekte. Dazu gehören Formulare und Berichte sowie deren Steuerelemente. Wenn in der Implementationsphase visuelle Entwicklungswerkzeuge wie MS Access zum Einsatz kommen, können diese bereits als Protyping Tools eingesetzt werden. Die entstehenden Prototypen sind zwar nur "Kulissen", sie erleichtern aber die Beurteilung der Feinspezifikation durch die Anwender.
Die folgende Feinspezifikation der Testkomponente Web Quiz ist einfach, weil sie von der ähnlichen Komponente Access Quiz ausgeht. Die erneute Spezifikation der Benutzeroberfläche fällt deshalb weg. Ausserdem ist das spezifizierte Problem einfach. Feinspezifikationen typischer betrieblicher Anwendungen sind umfangreich und können Monate beanspruchen.
Die Komponente Web Quiz gehört zum Anwendungspaket Tests. Das Anwendungspaket Tests kann Aufgaben standalone, über ein lokales Netzwerk oder auf dem World Wide Web anbieten und besteht aus drei Komponenten:
TESTVERWALTUNG verwaltet Aufgabenbanken für schriftliche Klausuren und interaktive Tests. Sie erlaubt die automatische Bewertung und Analyse von Aufgaben und TestteilnehmerInnen.
Alle Aufgabentypen lassen sich auf dem Drucker ausgeben und schriftlich lösen. Mehrfachwahl- und Zuordnungsaufgaben können auch mit den Komponenten ACCESS QUIZ oder WEB QUIZ interaktiv bearbeitet werden.
Ein Quiz ist ein Test aus automatisch dargebotenen und bewerteten Mehrfachwahl- und Zuordnungsaufgaben. Mit einem Klick auf die Schaltfläche 'Web Quiz exportieren' kann die Testautorin in der Komponente TESTVERWALTUNG die Aufgaben des gewählten Termins als Web Quiz generieren.
Entwickeln Sie zuerst eine Minimalspezifikation in Form einer Standalone-Lösung . Erst nach dem erfolgreichen Test der Minimalvariante folgen Sie der Maximalspezifikation:
Standalone-Minimalspezifikation: Durch einen Klick auf die Schaltfläche 'Web Quiz exportieren' exportiert die Testautorin den Code und die Daten, welche unter einem Web Browser - mindestens unter Internet Explorer - als Quizanwendung ablaufen. Mit dieser Quizanwendung kann ein Quizteilnehmer ohne Internetanschluss seine Antworten selbst korrigieren. Ein Export der Antworten an die Komponente TESTVERWALTUNG ist nicht erforderlich.
Client/Server-Maximalspezifikation: Durch einen Klick auf die Schaltfläche 'Web Quiz exportieren' exportiert die Testautorin den Code und die Daten als Quiz, der sich mit oder ohne Internetanschluss bearbeiten lässt. Ein Teilnehmer mit Internetanschluss kann - analog zu Access Quiz - seine Antworten nach Testabschluss an die Serverdatenbank TESTVERWALTUNG_BACKEND übermitteln. Die Korrektur erfolgt off line in der Komponente TESTVERWALTUNG.
Eine Änderung der Datenbankstruktur von TESTVERWALTUNG_BACKEND ist nicht erforderlich. Web Quiz verwendet die gleichen Tabellen wie Access Quiz. Auch die Benutzung von Web Quiz und Access Quiz soll gleich sein. Das Startformular von Web Quiz enthält wie jenes von Access Quiz die folgenden Menüpunkte:
Test lösen: Ein Klick auf diesen Menüpunkt führt zu einem Menü jener Aufgaben, welche die Testautorin in der Komponente Testverwaltung als Quiz exportiert hat (vgl. Test lösen in Access Quiz).
Musterlösung anzeigen: Dieser Bericht zeigt die richtigen Antworten auf dem Bildschirm oder Drucker (vgl. Musterlösung ausgeben in einem Access Quiz). Es kann nur gewählt werden, wenn die Testautorin die Korrektur durch den Testteilnehmer erlaubt hat.
Test verlassen und ev. abgeben: Während die Minimalvariante die Komponente Web Quiz ohne weitere Aktion verlässt, übermittelt die Maximalvariante zuvor die Quizantworten an die Serverdatenbank TESTVERWALTUNG_BACKEND.
Achten Sie darauf, dass sich die Formulare des Web Quiz möglichst wenig von den entsprechenden Access Quiz-Formularen unterscheiden.
Der Quiz muss ohne Access-Lizenz lauffähig sein. Dies schliesst die Verwendung von Datenzugriffsseiten aus.
Die Minimalspezifikation beschränkt die Kommunikation zwischen Webserver und -client auf das Laden des Quiz. Die Antworten korrigieren die QuizteilnehmerInnen selbst (vgl. Access Quiz). TeilnehmerInnen ohne Internetanschluss müssen den Quiz auf einen Datenträger kopieren und zuhause unter Internet Explorer lösen können.
Die Maximalspezifikation erlaubt das Laden des Quiz und die Übermittlung der Quizantworten an die Serverdatenbank TESTVERWALTUNG_BACKEND. Sie ermöglicht so auch eine Testdarbietung über das Intranet eines PC-Labors, ohne dass auf jedem Rechner MS Access installiert sein muss. Es genügt, wenn Sie die Quizergebnisse in HTML-Form speichern und dem Webserver senden. TESTVERWALTUNG_BACKEND wird dann die HTML-Ergebnisse umwandeln und seinen Scoretabellen anfügen (vgl. Access Quiz).
Die Wahl der Werkzeuge ist didaktisch motiviert: Die gesamte Fallstudie Tests soll für Studierende mit Access-, Visual Basic- und HTML-Kenntnissen verständlich sein. Achten Sie deshalb auf einen gut lesbaren und dokumentierten Code. Als Werkzeuge eignen sich Access 2000 und VBScript (Visual Basic Scripting Edition) zur Quizgenerierung sowie Internet Explorer 5.0 zur Quizdarbietung.
Neben der Unterscheidung in Minimal- und Maximalspezifikation ist es ist sinnvoll, in den folgenden Schritten vorzugehen:
Studieren Sie das Datenbankmodell von QUIZ_BACKEND.MDB, damit Sie erkennen, welche Testdaten aus TESTVERWALTUNG_BACKEND.MDB stammen.
Entwickeln Sie mit einem Ihnen bekannten HTML-Autorenwerkzeug (zum Beispiel MS Front Page) einen Beispielquiz, der unter Internet Explorer 5.0 abläuft. Gehen Sie dabei von einer festen Zahl von Aufgaben aus. Machen Sie sich aber bereits Gedanken über die Identifikation von Template- (Skelett-) und Platzhalterteilen.
Abstrahieren Sie vom konkreten Beispielquiz und wählen Sie eine HTML- bzw. VBScript-Struktur, die eine beliebige Anzahl von Testfragen und Zuordnungspaaren erlaubt. Trennen Sie dabei systematisch zwischen Template und Platzhaltern.
Überlegen Sie sich, wie Sie aus MS Access Textdateien, insbesondere HTML-Dateien erzeugen können.
Implementieren Sie in TESTVERWALTUNG.MDB die Ereignisprozedur BtnWebQuizExportieren_Click() so, dass HTML-Code erzeugt wird, der zusammen mit dem Templatecode im Internet Explorer 5.0 als Web Quiz dargeboten werden kann.